Barhuf

Barhuf unterwegs – 9 Fragen an Katrin

Kati mit Pferd und Hund

Ich freue mich sehr, dass sich Kati von Equinality für ein barhuf Interview zur Verfügung gestellt hat. Kati hat im Sommer 2014 und 2015 ein Praktikum bei Bent Branderup absolviert und arbeitet nun unter dem Namen „Horsebond“ auch mit Miri von MeinFaible und Alessa Neuner zusammen. Sie ist auch gerade auf ihren eigenen Hof gezogen und wird dort ihren Pferden einen Paddocktrail anlegen. Hach … da komme ich gleich ins Schwärmen 🙂 . Aber der Reihe nach:

Kati mit ihren drei Fellnasen

Hinter Equinality stecken meine vier Fellnasen und ich. Mein Name ist Kati, ich arbeite gemeinsam mit Pferden und deren Menschen und bin Tierphysiotherapeutin, wodurch ich mich viel mit der Gesunderhaltung von Pferden beschäftige.

Neben meinen 3 Jungs – Lino (8 jähriger PRE), Gavião (3 jähriger Lusitano) und Toby (11 jähriges Shetlandpony) – gehört auch meine Stute namens Galaxy zu mir, von der ich, aufgrund ihrer themenbezogenen Vorgeschichte, etwas mehr erzählen möchte. Galaxy ist mittlerweile 18 Jahre alt und begleitet mich seit rund 12 Jahren. Wir beide sind ursprünglich im Springpacours zusammengewachsen und häufig auf Turnieren gestartet.

Durch eine lange Verletzungsphase von ihr, die mich zum Umdenken angeregt hat, landeten wir bei der akademischen Reitkunst. Meine Pferde wohnen ab April endlich bei mir vor der Haustür in Offenstallhaltung. In Zukunft werden wir den frisch angelegten Paddock um einen Paddocktrail erweitern.

Mit Galaxy habe ich einen extremen Vergleich von Haltungsbedingungen, da sie beim Kauf im Jahre 2004 nur 3-4 Stunden Auslauf am Tag kannte. Die Umstellung zur „Offenstallerin“ war für sie daher gar nicht so leicht, hat ihrem Bewegungsapparat und damit auch ihren Hufen aber sehr gut getan!

Kati von Equinality

Wie lange hast du dein Pferd (oder deine Pferde) schon barhuf und welche Gründe haben dich dazu bewegt dein Pferd barhuf zu halten?

Gavião und Toby kamen bereits mit relativ unproblematischen Hufen ohne Eisen zu mir. Lino läuft auch schon sein Leben lang barhuf, seine Hufe waren allerdings extrem deformiert. Galaxy ist von meinen Pferden die einzige, die jahrelang mit Eisen gelaufen ist. Als sie zu uns kam, war sie vorne und hinten beschlagen. Hinten trug sie sogar Rundeisen aufgrund ihres Fesselringbandsydroms. Schon nach recht kurzer Zeit ließen wir die Eisen hinten abnehmen, da sie durch vermehrten Auslauf keinerlei Probleme mehr mit ihren Fesselringbändern hatte.

Die Hinterhufe gewöhnten sich vergleichsweise schnell an die Umstellung, allerdings ritten wir damals nur kleine Runden ins Gelände, meist auf Sandwegen. Sie kam nur halbtags aus ihrer damaligen Box heraus, weshalb der Abrieb für das Horn entsprechend gering war. Ungefähr 2007 verletzte sie sich in einer Springprüfung an den Hufgelenken. Nicht zuletzt, weil sie auf den Rasenplatz trotz Stollen zu wenig Halt mit den Eisen hatte. Während ihrer Rekonvaleszenszeit trug sie gar keine Eisen. Mehrere Tierärzte und Schmiede rieten uns dazu, vor dem Antrainieren wieder einen Spezialbeschlag vorne anbringen zu lassen. Nachdem wir ungefähr 5 – oder waren es 6? – verschiedene Spezialbeschläge ausprobiert hatten, die Galaxy alle entweder regelmäßig verlor (sie stand mittlerweile nur noch nachts in einer Box) oder sie gar nicht darauf laufen konnte, landeten wir bei Duplos.

Galaxy

Mit diesem Kunststoffbeschlag kam sie eine Weile ganz gut zurecht, aber ihre Hufe schienen immer kleiner zu werden, da sie arge Durchblutungsstörungen in den Vordergliedmaßen hatte und sich auch die Kunststoffeisen einige Male abtrat. Zu allem Überfluss wurde ihr Shivering (Nervenkrankheit, wodurch sie beim Anheben der Beine unkontrolliert in den Gliedmaßen zittert) deutlich schlimmer. Jeder neue Beschlag war für sie eine große Anstrengung.

Nachdem sie im Sommer 2012 kaum noch Hufsubstanz hatte, weil sie sich die Duplos regelmäßig auszog, beschlossen wir, zwangsweise auf unser lange verschwiegenes Bauchgefühl zu hören und, entgegen der tierärztlichen Meinung, die Eisen abnehmen zu lassen. Unser Schmied war damals wirklich Gold wert. Er befürwortete es barhuf zu versuchen und uns in Sachen Hufschuhe zu beraten.

Hattest du Probleme bei der Umstellung auf barhuf?

Die Umstellung auf barhuf lief bei Galaxy nicht ganz reibungslos, da wir aufgrund der mehrfach abgetretenen Eisen, mit einer Gipsverstärkung beginnen mussten. Zudem waren und sind Galaxys Hufe für ihren Körper deutlich zu klein, durch die vielen Jahre mit Eisen neigt sie zu Zwanghufen und das Wachstum der Hufe war vor allem anfänglich wirklich schleppend. Da der Strahl weiterhin keinerlei Bodenkontakt hatte, war die Durchblutung immer noch sehr eingeschränkt. Wie soll man eine Hufstellung vorsichtig korrigieren, wenn einfach kein Horn nachschiebt? Viel Geduld und eine Optimierung der Nährstoffzufuhr haben ihr damals geholfen. Mittlerweile ist das Hornwachstum immer noch gering, aber im Normbereich.

Barhuf Umstellung

Bearbeitest du die Hufe selber oder hast du einen Hufprofi, der dich unterstützt?

Momentan bearbeite ich die Hufe selbst, da Galaxy sich durch das Shivering damit am wohlsten fühlt. Regelmäßig lasse ich einen Profi einen kontrollierenden Blick auf ihre Hufe werfen. Wegen der vielen Instabilitäten und Fehlbelastungen in Galaxys Bewegungsapparat, nehme ich die suboptimale Hufform mittlerweile in Kauf. Ich bin natürlich kein ausgebildeter Huforthopäde, weshalb ich auch niemals ein fremdes Pferd bearbeiten würde. Bei meinen eigenen ist es für mich bisher so die beste Lösung gewesen.

Durch zwei knapp 3-monatige Praktika in Dänemark bei Bent Branderup, sind meine Jungs und ich schon gewohnt uns selbst zu versorgen und „nur“ mit fachmännischer Kontrolle zu arbeiten. Als Galaxy dann so vehement zeigte, dass sie lieber nur noch mir entspannt für längere Phasen ihre Hufe geben möchte, nahm ich ihre Bitte als meine Herausforderung an.

Wie oft reitest du in der Woche?

Nachdem Galaxy und ich beide krankheitsbedingt ausgefallen sind, beginnen wir langsam wieder mit der Arbeit im Sattel. Durch ihre Vorgeschichte und meinen Bandscheibenvorfall, arbeite ich sie vor allem am Boden nach akademischen Grundsätzen, mache Freiarbeit und clickere. Gerne sind wir auch in der Natur unterwegs. Manchmal bin ich dabei neben ihr und manchmal auch auf ihrem Rücken.

Eine feste Struktur haben wir dabei nicht. Ich würde sagen, dass wir im Schnitt 1-2x wöchentlich reiten. Gemeinsame Zeit haben wir zum Glück deutlich öfter, weshalb wir normalerweise fast täglich am Boden arbeiten oder spazieren gehen. Meiner Meinung nach hat das Training eine grosse Auswirkung auf die Hufe und deren Stellung. Je mehr meine Pferde in Balance sind, desto gleichmäßiger laufen sie ihre Hufe ab (Anmerkung von Klaudia: das kann ich auch so aus meiner Erfahrung bestätigen).

Benutzt du für Ausritte oder Wanderritte Hufschuhe?

Galaxy hat für ihre Vorderhufe Renegades, mit denen wir seit Jahren außerordentlich zufrieden sind. Für ihr Shivering war es wichtig, dass wir Hufschuhe finden, die simpel und schnell an und auszuziehen sind. Wegen der Hufgelenke wollten wir auch keine, die man anklopfen muss. Wir haben bisher nie einen Hufschuh verloren – sei es im gemütlichen Schritt oder bei schnellen Galoppstrecken. Kleine Spaziergänge schafft Galaxy nun auch schon ohne Hufschuhe, aber sie fühlt sich gerade auf steinigen Wegen mit ihren Schühchen wohler.

Wenn ja, gibt es eine Hufschuhmarke, die du am Liebsten benutzt?

Renegades! Simples an und abziehen, einfach zu reinigen, halten super und sehen auch noch schick aus.

Renegades

Gibt es besondere Tipps, die du anderen Pferdebesitzern bei einer Umstellung auf Barhuf mitgeben möchtest?

Zeit, Geduld und ein wenig Wissbegierde.

Sich zu informieren, über den Tellerrand zu schauen und der Experte für sein eigenes Pferd zu werden ist auch im Bereich der Hufe unbedingt erforderlich.

Ganz wichtig ist es mir den Leuten mitzugeben, dass sie der Profi für ihr eigenes Pferd sind. Ja, man muss sich auf Fachleute verlassen aber man sollte auch mal hinterfragen, Zweitmeinungen einholen und sein eigenes Pferd ansehen – das hat nämlich oft auch ganz viel zu sagen.

Wir haben Galaxy im Laufe der Jahre um 4 Eisen leichter gemacht, obwohl sie jedes einzelne schulmedizinisch verschrieben bekommen hatte. Sie hat uns gezeigt welche Haltungsform für sie und ihre Hufe die richtige ist. Zudem habe ich mich fortgebildet, um die Hufe so gut es geht unter fachmännischer Kontrolle selbst bearbeiten zu können. Viele Wege führen nach Rom, man muss nur seinen ganz individuellen finden. So wie Galaxy möglichst wenig Abrieb haben sollte und Hufschuhe bekam, braucht mein Lino so viel wie möglich, da sein Horn wächst wie Unkraut. So wie ich bei Galaxy die Hufstellung nicht mehr deutlich verändern sollte, kann sich bei Gavião in seinen jungen Jahren noch einiges ändern. Und so „simpel“ wie Tobys Hufe wachsen, so krumm und schief steht Lino schon nach wenigen Wochen ohne Bearbeitung wieder da. Jedes Pferd ist anders! Man sollte sich immer das eigene ansehen und nicht pauschal auch das tun, was der Stallkollege für sein Pferd entschieden hat.

Von welchem Pferde würdest du dir wünschen, das es barhuf läuft?

Ich würde es allen Pferden wünschen, die eigentlich nur aus Unwissenheit der Besitzer Hufeisen tragen oder „weil man das eben so macht“. Solange der Besitzer sich selbst ehrlich die Frage beantworten kann, aus welchem gesundheitlichen Grund das Pferd Eisen benötigt, denke ich, dass man nicht urteilen sollte. Jeder möchte das Beste für sein Pferd.

Persönlich bin ich aber der Meinung, dass die Optimierung von Haltung, Fütterung und Training wesentlich mehr Einfluss nehmen können, als die meisten glauben. Alle Pferde, die ohne Eisen klarkommen (und das sind, meiner Meinung nach (fast) alle), sollten behutsam und mit Fachverstand umgestellt werden und die Welt mit ihren Füßen erkunden dürfen.

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2 Comments

  • Reply Sandra 18. Dezember 2016 at 13:34

    Gibt es eine Alternative zum Stollenbeschlag im Winter. Noriker mit 750 kg in steilen vereisten/verschneiten tiroler Oberland. Hatte Easyboods mit Stollen versucht. Beim ersten Ritt auf stark abfallender Straße Stollen rausgerissen und verdreht….
    Lg aus Tirol

    • Reply Klaudia 18. Dezember 2016 at 16:53

      Hallo Sandra,

      ich reite im Winter selber lieber ohne Hufschuhe – im verschneiten und vereisten Mühlviertel. Barhuf sind die Pferde im Winter am sichersten unterwegs finde ich! Gerade wenn es bergab merke ich, wie mein Pferd vorsichtig geht und sich Schritt für Schritt vortastet. Galopp im Schnee ist auch barhuf gar kein Thema.

      lg Klaudia

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