Barhuf

Barhuf unterwegs – Interview mit Miri von „Mein Faible“

Miri - Mein Faible

Miri erzählt uns im Interview den Werdegang mit ihrer Westfalenstute Faible. Sie kennen sich seit über drei Jahren, da Miri als ihre Reitbeteiligung angefangen hat. Nun darf sie Faible schon seit über zwei Jahren ihr erstes eigenes Pferd nennen. Miri schreibt auf ihrem Blog und ihrer Facebookseite regelmäßig über Clickern und positive Verstärkung. Ich folge ihr auch auf  Instagram, wo besonders ihre Stories immer sehr motivierend sind.  Miri verwendet beim Ausreiten Renegades Hufschuhe und hat einige Tipps bei der Barhufumstellung für euch.

Miri und Faible

Faible ist extrem selbstbewusst und unser Weg war anfangs ziemlich steinig. Seitdem ich die positive Verstärkung für uns entdeckt habe, hat sich unsere Beziehung auch grundlegend verändert. Sie hatte eine kurze, sehr frühe Karriere als Sportpferd hinter sich. Ihre aktive Zeit endete abrupt und wie mir erzählt wurde, hat sie sich trotz ihrer Talente nie im Turniersport wohl gefühlt.

Ich selbst reite seit 1998, damals habe ich als Siebenjährige ganz klassisch in einer Reitschule auf Schulpferden die ersten Runden im Sattel gedreht. Nach Jahren als Reitbeteiligung verschiedener Wildfänge, mit denen ich meist ohne Sattel die Wälder unsicher gemacht habe, bin ich nach meinem Abitur nach Südafrika gegangen und habe mich dort in Form eines Work&Travel Jahres unter anderem den Lipizzanern der Hofreitschule in Johannesburg angeschlossen. Nach einigen Erfahrungen in der klassischen Dressur habe ich nun vor allem die Freiarbeit in Kombination mit der positiven Verstärkung für mich entdeckt.

Miri - Mein Faible

Wie lange hast du dein Pferd schon Barhuf und welche Gründe haben dich dazu bewegt dein Pferd Barhuf zu halten?

Faible war nicht im Training, als ich sie kennenlernte. Angeblich gab es einen gefährlichen Zwischenfall beim Schmied, bei dem sie sich in Panik verletzte. Ihre Hufe waren also von Beginn unserer gemeinsamen Zeit unbeschlagen und bekamen selten nur die nötigste Pflege. Sie wurde damals nicht geritten und stand die meiste Zeit auf der Koppel.

Hattest du Probleme bei der Umstellung auf Barhuf?

Aufgrund der seltenen Hufpflegetermine hatte Faible nicht die schönsten, aber dafür trotzdem gesunde Hufe. Nachdem ich sie zu mir holte, konnte ich endlich auch Entscheidungen für sie treffen und blieb aus Überzeugung direkt beim barhuf. Faible ist das erste Pferd, welches ich ganz ohne Hufeisen reite und nur mit den Renegades unterwegs bin.

Bearbeitest du die Hufe selber oder hast du einen Hufprofi, der dich unterstützt?

Anfangs war ich sehr unerfahren und habe mich gar nicht an die Hufe getraut. Aber mein Hufbearbeiter hat mir die Funktionen des gesunden Hufs erklärt und mich ermuntert auch selbst mal Hand anzulegen, wenn das Horn am Rand eine kleine Korrektur benötigt. Da ich mich inzwischen intensiv in die Thematik eingelesen habe, bestehe ich natürlich weiterhin auf eine professionelle Bearbeitung, damit sich keine gravierenden Fehlstellungen einschleichen können.

„Das Pferd hat 5 Herzen“ habe ich mal gehört. Wer die Hufe seines Pferdes nicht pflegt, der spielt mit dessen Gesundheit. Dass das oft lebensbedrohlich werden kann, wissen wir inzwischen alle.

Miri - Mein Faible

In welcher Haltungsform lebt dein Pferd?

Faible stand, als ich sie kennen lernte, bis zu 40 Stunden in einer Box. Alle zwei Tage kam sie auf eine große Matschkoppel. Als ich sie kaufte, stellte ich sie zunächst in einen Stall mit Paddockhaltung am Tag und Box in der Nacht. Nach einem Jahr bekam sie als kleines „Upgrade“ eine Paddockbox und tagsüber Paddock im Herdenverband. Inzwischen habe ich zum Glück einen Aktivstall für sie gefunden. Dort kann sie sich jederzeit in mehreren Stallgebäuden unterstellen oder mit ihrer Herde über einen langen Trail bis in ein Wäldchen wandern. Den Hufen tut diese dauerhafte Nutzung sehr gut, es herrscht ein ständiger, natürlicher Abrieb und Faible läuft trittsicher über die verschiedenen Böden.

Wie oft reitest du in der Woche?

Das ist ganz unterschiedlich. Im Sommer gehe ich gerne an mehreren Tagen in der Woche ausreiten und arbeite verhältnismäßig wenig in der Halle. Dafür sind Faible und ich einfach zu gerne im Wald unterwegs! Auf ihrem Rücken sitze ich dann vielleicht 3-5 Mal in der Woche. Aber wir gehen auch häufig spazieren, das hält mich schließlich selbst auch fit und schweißt zusammen. Auch bei Ausritten gehe ich gerne mal ein Stück zu Fuß, besonders schön ist das nach langen Galoppstrecken zum gemeinsamen runterkühlen.
In den Wintermonaten arbeiten wir intensiver zusammen gymnastizierend an der Hand oder an der Longe in der Halle und ich reite weniger, vielleicht 2-3 Mal in der Woche, wenn überhaupt. Grundsätzlich würde ich aber behaupten, dass die Häufigkeit der Ritte keinen Einfluss auf Faibles Hufe hat. Durch ihr Leben im Aktivstall ist sie sowieso den ganzen Tag in Bewegung.

Benutzt du für Ausritte oder Wanderritte Hufschuhe?

Für längere Ausritte oder besonders trockene Zeiten benutze ich gerne Hufschuhe für Faibles Vorderhufe. Im Winter komme ich für mittelgroße Runden auch prima ganz ohne Hufschuhe aus. Wenn wir spazieren gehen ziehe ich ihr gar keinen Hufschutz an und lasse sie den für sie besten Untergrund auf den Wegen suchen. Ist es nass, gefroren oder schneebedeckt, dann vertraue ich immer dem Naturhuf und ziehe auf keinen Fall Hufschutz an. Faible hat gelernt den Boden mit ihren Hufen zu lesen und ich verlasse mich auf ihre Instinkte, wenn sie auf einem Weg lieber außen gehen möchte. Dann ist für uns die Devise unbedingt die Zügel lang und das Pferd entscheiden zu lassen.

Miri - Mein Faible

Wenn ja, gibt es eine Hufschuhmarke, die du am Liebsten benutzt?

Nach intensiver Beratung eines Hufschuhexperten habe ich mich damals für die Renegades entschieden. Nach wie vor kommen wir sehr gut mit denen zurecht, weil sie für Faibles Hufform perfekt sind. Weil aber jeder Huf anders ist, kann dieser Hufschuh für ein anderes Pferd auch ganz unpassend sein. Da muss man dann Geduld haben und etwas länger rumprobieren, bis man ein zufriedenstellendes Modell gefunden hat.

Gibt es besondere Tipps, die du anderen Pferdebesitzern bei einer Umstellung auf Barhuf gerne mitgeben möchtest?

Mit einem Wort, stellvertretend für alle Veränderungen in Sachen Pferd: ZEIT! Gebt euren Pferden die Zeit der Umstellung, belastet sie dabei nicht unnötig, sondern unterstützt sie. Wer sich Thermografien von Hufen mit und ohne Eisen anschaut, dem muss klar sein, was da für Prozesse in Gang gesetzt werden. Plötzlich kehrt das Leben zurück in den Huf, das Pferd lernt neu zu laufen und zu fühlen. Die Umstellung kann lange dauern, aber sie lohnt sich! Wer diesen Schritt geht sollte deshalb Geduld mitbringen und ruhig auch eine Reitpause einlegen, wenn das Ziel ein gesunder Barhuf ist.

Von welchem Pferd würdest du dir wünschen, dass es Barhuf läuft?

Grundsätzlich würde ich jedem Pferd wünschen, dass es den Boden unter seinen Hufen spüren darf. Hufeisen sind eine Erfindung für uns Menschen, weil wir unsere Pferde als Nutztiere halten. Bequemlichkeit, sportlicher oder wirtschaftlicher Ehrgeiz, Kriege und damit eine Über- und oft auch Fehlbelastung unserer Pferde waren einst Gründe für den Gebrauch von Hufeisen. Gerade bei Dressurpferden, die ihre Runden eh tagein tagaus im Sand der Halle drehen, halte ich Hufbeschlag in den meisten Fällen für unnötig oder sogar schädlich. Ich habe mich damals gefragt: Wie oft „nutze“ ich mein Pferd so, dass es tatsächlich Hufschutz benötigt? Die Antwort waren ernüchternde 2-3 Ausritte in der Woche à 1-2 Stunden. Sollte ich meinem Pferd für diese kurze Nutzungszeit dauerhaft Eisen unter die Hufe schlagen lassen? Und ihnen damit auch wichtige Funktionen wie die der natürlichen Stoßdämpfer ausschalten? Das war es mir nicht wert, vor allem weil wir heutzutage den Luxus der Hufschuhe haben.

Zusätzlicher Tipp für die Renegades Hufschuhe

RSQ-ID

Ich habe vor zwei Jahren entdeckt, dass die Notfalldaten-Ringe von RSQ-ID auf die Schlaufen von meinen Hufschuhen passen. Jetzt steht deshalb auf meinen Renegades Hufschuhen „Dieser Hufschuh wird vermisst“ und auf der Rückseite meine Telefonnummer. Für den Fall der Fälle, dass mir auf einem Ritt doch mal einer abfliegt und ich ihn nicht wieder finde, habe ich so wenigstens eine Chance, dass er von einem freundlichen Spaziergänger entdeckt wird und zu uns zurück findet!

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3 Comments

  • Reply Claudia 2. Februar 2016 at 06:41

    Toll, dass Du so auf Barhuf setzt. Für mich kommt auch kein Beschlagen mehr in Frage. Und wie recht Du hast, dass es Zeit braucht. Mein Grosser ist nun seit über 4 Jahren voll Barhuf (beim Vorbesitzer hatte er nur phasenweise Eisen) aber erst jetzt kann ich auch, für kürzere Strecken, ohne Hufschuhe ins Gelände. Im letzten halben Jahr hat die Hufqualität nochmals enorm zugenommen.

    • Reply Klaudia 3. Februar 2016 at 20:40

      Zeit ist bei einer Barhuf Umstellung wirklich das wichtigste.. Man muss dem Huf die Chance geben gutes Horn zu produzieren, damit er leistungsfähig wird. Schön dass es geklappt hat!

  • Reply Uta 3. Februar 2016 at 20:05

    Hallo, also ich bin auch ein Fan von Barhufer. Meine Beiden haben noch nie im Leben Eisen gehabt und haben gesunde Hufe. Mein Friesenmix hatte vor 2 Jahren einen Reheschub und da sollte ich zum Abpolstern einen Reheschuh überziehen. Es hat keine 2 min. gedauert und das Ding war ab. Er hat seinen Huf lieber in den Wassertrog gestellt.Ich glaube nicht, das sich meine Beiden mit Eisen an ihren Hufen wohl fühlen. Sicher gibt es Indikatoren, wo Eisen sinnvoll sind, aber meinen Beiden dürfen ohne. Auch bei meinem nächsten Pferd wird es so sein, das es keine Eisen haben soll. Ich denke, so natürlich wie möglich ist das beste.

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