Barhuf

Barhuf unterwegs – 9 Fragen an: Nina und ihre Tennessee Walking Horses

Tennessee Walking Horse

Ich möchte euch in diesem Interview Nina von Ropingmydream vorstellen. Sie erzählt uns von den Pferden der Ranch „El Ranchito“ in Kanada, auf der sie regelmäßig auf freiwilliger Basis arbeitet. Gezüchtet werden Tennessee Walking Horses (Gangpferde) und alle laufen barhuf! Im Bestand sind meistens ca. 20 Pferde in allen Altersstufen. Darunter ihre Lieblingsstute Glory, 11 Jahre alt und Westernfreizeitpferd. Nina schreibt regelmäßig auf ihrem Blog Ropingmydream oder auf ihrer Facebookseite.

Nina und Glory

Die Tennessee Walking Horses leben auf einer unendlich großen Weide, so weitläufig, dass sie fast wie Wildpferde ihrem natürlich Tagesablauf nachkommen können: Von einer Stelle zur anderen ziehen, unterschiedliche Gräser und Kräuter fressen, sich aus dem Weg gehen oder gemeinsam rennen. Im Winter wird zusätzlich auch Heu rund um die Uhr gegeben, Mineralfutter gibt es das ganze Jahr über.

Wie lange laufen die Pferde schon barhuf und welche Gründe haben die Züchterin dazu bewegt die Pferde barhuf zu halten?

Die Pferde die hier geboren sind, haben noch nie Eisen gesehen. Der Huf ist robust genug, das Hornwachstum stark. Wer vielleicht die Tennessee Walking Horse Show Branche kennt, weiß, was für Unfug mit den Hufen dieser Pferde getrieben wird: Sogenannte „Pads“, extrem hohe Beschläge für eine unnatürliche Beinaktion in der besonderen Gangart „Running Walk“. Wir wollen uns davon distanzieren!

Tennessee Walking Horses zeigen so einen schönen natürlichen Running Walk, auch komplett ohne jeglichen Beschlag. Die TWH Heritage Society vergibt sogar besondere Papiere an Tennessee Walker, sogenannte „Heritage Papers“. Unter einigen anderen Punkten muss erfüllt sein, dass das Pferd keinen Vorfahren in seiner Zuchtlinie haben darf, der nach 1977 mit diesem Spezialbeschlag an Turnieren teilgenommen hat.

Tennessee Walking Horse

Gab es Probleme bei der Umstellung auf barhuf?

Die Umstellung habe ich bei den Pferden, die erst später auf die Ranch kamen, nicht erlebt. Bisher hatte aber keines der Pferde Probleme, barhuf zu laufen. Einige Pferde tendieren zeitweise zu rissigen und brüchigen Hufen. Ich glaube jedoch, dass Eisen in dem Fall dem Huf noch weniger gut tun würden.

Bearbeitet ihr die Hufe selber, oder habt ihr einen Hufprofi der euch unterstützt?

Die Züchterin bearbeitet die Hufe alle selbst.

Wie oft werden die Pferd in der Woche geritten?

Mittlerweile werden die Pferde nur noch sporadisch geritten. Vorher gingen die Pferde ca. 3-5 Mal pro Woche. Darunter ca. 1-2 Stündige Ausritte (die Ranch war damals eine Guest Ranch) und einstündiger Reitunterricht oder Training auf dem Reitplatz.

Teilweise bestehen die Wege, die geritten werden können, zu 70 % aus Schotter. Die Pferde gehen trotzdem nicht fühlig. Ich denke, es ist alles eine Sache der Gewohnheit. Der Huf konnte bzw. musste sich ein Leben lang daran gewöhnen.

Benutzt du für Ausritte oder Wanderritte Hufschuhe?

Nein, auch längere Strecken funktionieren problemlos barhuf. Sollte es zwischenzeitlich doch dazu kommen, dass ein Pferd fühlig geht, kann man auf den Grasstreifen am Rand ausweichen. Allerdings haben wir auch IMMER diese Möglichkeit. Wir können uns auf diese Gegebenheit verlassen. Wir haben zwar Hufschuhe in der Sattelkammer, ich habe sie aber noch nie im Einsatz gesehen.

Tennessee Walking Horse

Wenn ja, gibt es eine Hufschuhmarke, die du am liebsten benutzt?

Ich habe – allerdings in Deutschland – sehr gute Erfahrungen mit den Boa Boots gemacht.

Gibt es besondere Tipps, die du anderen Pferdebesitzern bei der Umstellung auf Barhuf mitgeben möchtest?

Man muss den Schritt einfach irgendwann wagen und darf nicht von Anfang an erwarten, dass das Pferd super auf jedem Boden läuft. Es braucht Zeit, bis der Huf sich anpasst. Nur weil es am Anfang noch nicht funktioniert, darf man nicht gleich aufgeben und sagen, dass das Pferd nicht dafür geeignet ist, barhuf zu laufen.

Muss man über viele Asphalt- und Schotterwege reiten, sollte man sich auf jeden Fall Hufschuhe zulegen und nach und nach kürzere Strecken ohne sie gehen. Dann kann man die Dauer langsam steigern.

Außerdem: Sich ausgiebig über unterschiedliche Hufschuhe informieren. Es gibt verschiedene Modelle für verschiedene Zwecke und Hufformen. Nur weil der eine Hufschuh an Pferd A funktioniert, heißt das nicht, dass er an Pferd B genauso gut funktioniert. Mittlerweile ist die Auswahl so groß, dass die Ausrede „Es gibt keinen passenden Schuh für mein Pferd“ meiner Meinung nach nur noch selten zutrifft.

Tennessee Walking Horse

Von welchem Pferd würdest du dir wünschen, dass es barhuf läuft?

Alle Tennessee Walking Horses, die jetzt noch unter dem Show Business leiden müssen!

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  • Kindgen Diana 6. Mai 2016 at 09:10

    Ich habe seit ein paar Wochen eine Tennessee Walker Stute. Sie geht natürlich barhuf und lebt in der Herde. Als wir sie gekauft haben, habe ich mich natürlich im Netz mehr und mehr mit der Rasse befaßt und war schockiert, was die Rasse alles erleiden muss. Sambucas smoke on fire ist ein Traum, ich habe selten ein so freundliches Pferd erlebt, sie ist bei allen im Stall sehr beliebt, Pferde wie Menschen. Da sie erst im Juni drei wird können wir reiterlich natürlich nix sagen, aber Bodenarbeit ist eine helle Freude. Ich bin mir sicher, es wird für meine Tochter der beste Freizeitpartner ever, die beiden sind jetzt schon ein tolles Team.
    Gruß. Diana

  • E.Munzinger 2. Februar 2018 at 21:39

    Ich habe drei meiner Walker beim mir groß gezogen und alle waren vollkommmen problemlos einzureiten und sind heute echte Kumpels und verstehen auch fast jedes Wort,wohl am Tonfall, aber sie reagieren adäquat.
    Deshalb kann ich nur dazu raten, sich so früh als möglich mit dem jungen Fohlen zu beschäftigen.