Gesundheit

Zecken richtig entfernen

Zecke

Das Wort “Zecke” (englisch “tick”) kommt aus dem Altgermanischen und bedeutet “Zwicker” oder “zwickendes Insekt”. Zecken sind Spinnentiere und gehören zur Gruppe der Milben. Sie sind Ektoparasiten – sprich sie sitzen außen am Wirtskörper und dringen nicht in ihn ein. Schon vor 50 Mio. Jahren wurden in alten baltischen Bernstein eingeschlossene Zecken entdeckt, es gibt sie aber schon  seit mindestens 100 Mio. Jahren. Weltweit existieren ungefähr 900 Arten von Zecken (Stand 2004) .

Zeckenarten

Die Zecken werden in drei Familien eingeteilt, die alle sehr unterschiedlich sind:

  • Ixodidae (Schildzecken) mit 10 Gattungen, ca. 700 Arten
  • Argasidae (Lederzecken) mit 4 Gattungen. ca. 170 Arten
  • Nuttalliellidae: bisher nur ein Weibchen einer Art aus dem südlichen Afrika bekannt

Der vordere Abschnitt wird normalerweise Gnathosoma genannt, trägt bei den Zecken den abweichenden Namen Capitulum (allgemein als der „Zeckenkopf“ bekannt). Idiosoma ist der übrige Rumpf der Zecke, das Dorsalschild wird als Scutum bezeichnet. Die Gliederfüße sind frei beweglich, die Fußspitzen (Prätarsi) tragen zwei Krallen und einen Pulvillus. Darunter versteht man ein kissenartiges Organ, das aus feinen Härchen zusammengesetzt ist. Damit wird den Zecken eine bessere Haftung an glatten Oberflächen ermöglicht. Das Mundfeld (Hypostom) hat auf der dorsalen Seite eine Rinne und ist ventral mit nach rückwärts ausgerichteten Zähnen, die symmetrisch angeordnet sind, ausgestattet.

Körperbau der Zecken

Beim Herausdrehen einer Zecke musst du daher – wie oft fälschlicherweise angenommen – keine bestimmte Drehrichtung beachten. Der um Mundwerkzeug umgewandelte Kopfbereich (Chelicere) ist zweigliedrig und dient zum Aufschneiden der Haut des Wirtes, es befinden sich darauf nach außen gerichtete Zähne. Sind Augen vorhanden, liegen diese am Rande des Scutums. Die Cheliceren reißen die Haut auf, das Hypostom wird nachgeschoben und mit den nach rückwärts gerichteten Zähnen entsteht eine Verankerung in der Haut. Die Zecke saugt Blut und Gewebeflüssigkeit ein. Ixodidae sind Langzeitsauger und nach ca. 5-30 Minuten beginnen sie mit der Ausscheidung eines Sekrets, das als Zement bezeichnet wird und rund um das Hypostom und Cheliceren erhärtet und so zur besseren Verankerung in der Haut dient.

Die Lederzecken (Argasidae) sind Kurzzeitsauger und bilden kein solches Sekret. Auf dem Tarsus befindet sich dorsal das Haller’sche Organ: es dient als Sinnesorgan, um die Umgebung auf nahende Wirte zu inspizieren. Es besteht vorne aus einer Grube und hinten aus einer Kapsel, die beide mit Sinnesborsten versehen sind. Wahrgenommen werden Erschütterung, Temperaturveränderungen und Substanzen wie NH3, CO2, Milchsäure und substituierte Phenole. Einzigartig ist die Bildung des Gené’schen Organs der Weibchen, das dorsal unter dem Vorderrand des Scutum liegt.

Das Capitulum ist durch eine Falte zum Dorsalschild getrennt und hier werden bei der Eiablage zwei hornförmige, mit Sekret gefüllte Säcke ausgestülpt, die bei ventralwärts abgewinkelten Capitulum die aus der Geschlechtsöffnung tretenden Eier ergreifen und mit einem wachsartigen Sekret aus den Drüsenzellen belegen. Dieses Wachs soll vor Wasserverlust und Pilzbefall schützen. Nachdem das Ei auch mit der Areae porosae in Kontakt gekommen ist, werden sie noch mit Antioxidantien benetzt, die den Abbau der Sekrete verhindern sollen. Die Sekrete aus den Speicheldrüsen lassen auch keine Blutgerinnung beim Wirt zu – durch sogenannte Vasidilatoren, die eine Muskelrelaxion der Blutgefäße bewirken. Dadurch wird die Thrombozytenaggregation verhindert und die Thrombinprotease gehemmt. Es müssen zusätzlich auch Entzündungen verhindert werden, dabei werden Histamin und Serotonin unwirksam gemacht.

 

 

 

Zecken übertragen Krankheiten

Krankheitsübertragung durch Zecken

Laut Expertenmeinungen gibt es zwischen 120 und 800 Erkrankungen, die von einer Zecke übertragen werden können.

Darunter zählen:

  • Lyme-Borreliose: durch Borrelien (Familie Spirochäten, Gattung Borrelia) → insbesondere solche, die in nördlich gemäßigten Klimazone (Nordamerika, Europa, asiatischer Teil Russlands) weit verbreitet sind. Eine genaue Beschreibung hat dazu Saskia von Pferdespiegel: Borreliose bei Pferden: Wissenswertes zur Infektion und über eine mögliche Impfung
  • Zecken-Rückfallfieber (Febris recurrens): Erreger ist eine Spirochäte, Symptome: wiederholte Fieberschübe, Muskel,- und Gliederschmerzen
  • Babesiose (Piroplasmose): Gattung Babesia, Verwandter der Malariaerreger, eine malariaähnliche Infektion vor allem bei Tieren, Symptome: Blutarmut, Gelbsucht
  • Fleckfieber, Flecktyphus: typhusähnliche Erkrankungen durch Ricksettsia-Bakterie
  • Anaplasmose: wenn du nehr darüber erfahren wollt, kannst du das in dem Artikel von Herzenspferd nachlesen: Vorsicht in der Zeckenzeit: Pferdekrankheit Anaplasmose – erkennen, behandeln, vorbeugen
  • FSME (Frühsommer-Menigoenzephalitis): wird durch einen Virus ausgelöst, es kommt zu grippeähnliche Symptomen bis zur Hirnhautentzündung

 

Wie erfolgt die Übertragung von Krankheiten durch Zecken?

Eine saugende Zecke entzieht mit dem Blut-Nahrungsbrei Wasser und gibt das aber wieder an den Wirt zurück. Damit können auch Krankheitserreger in den Wirt gelangen. Beispiel Borreliose: Eine effektive Übertragung von Borrelien erfolgt erst 12 – 24 Stunden während einer Blutmahlzeit. Das frisch aufgenommene Blut gelangt in den Darm und dort vermehren sich die Borrelien. Durch die Darmwand gelangen die Borrelien weiter in die Körperflüssigkeit der Zecke (Hämolymphe) und dann über die Speicheldrüsen in den Wirt.

Die Eier der Zecken enthalten noch keine Borrelien-Spirochäten, erst durch die erste Blutmahlzeit bei bspw. Nagern infizieren sich die Zecken mit den Borrelien. Durch die betäubenden und histaminhemmenden Chemikalien im Speichel der Zecke, erkennen die Borrelien, dass eine Zecke an ihrem Wirt saugt. Sie nehmen das als Signal, um zur Einstichstelle zu schwärmen und die Zeckenlarve oder – nymphe zu infizieren.

Zecke

Wie kannst du die Zecken entfernen?

Am besten gelingt es dir mit einer Zeckenschlinge* oder einem spitzen Taschenmesser, auch eine Splitterpinzette eignet sich gut. Solltest du keiner dieser Dinge parat haben, kannst du auch ein Stück Zahnseide verwenden, das du als Schlinge um die Zecke legst und sie heraus ziehst.

Es gibt auch noch sogenannte Zeckenkarten*, mit denen du Zecken auch problemlos entfernen kannst. Diese sind als kleine Schlüsselanhänger* erhältlich und sollten auf keinem Fall in deiner Erste-Hilfe-Tasche fehlen.

Keinesfalls solltest du die Zecke mit Öl oder Klebstoff zu ersticken versuchen! Dabei reagieren die Zecken panisch und übergeben sich und bringen somit noch einmal eine große Portion Erreger in den Wirt. Auch Zeckenzangen eignen sich meist nur bedingt, weil die dicken Zangen den Leib der Zecke quetschen und somit wieder Erreger in den Wirt reingedrückt werden. Die Bissstelle kannst du nach der Entfernung mit Effektiven Mikroorganismen einsprühen oder mit einer Ringelbumentinktur betupfen und säubern.

Weitere Abwehrmittel

Zecken haben einige natürliche Fressfeinde, dazu gehören Ameisen, besonders die Rote Waldameise. Diese kommen jedoch nur sehr selten vor. Auch Vögel und Insektenfresser – wie Igel – fressen gelegentlich Zecken. Ein weiterer natürlicher Feind der Schildzecken ist eine kleine Wespe namens Ixodiphagus hookeri. Sie legt ihre Eier in das Nest der Zecken, die im Larven oder Nymphenstadium sind. Nimmt die Nymphe Blut auf, entziehen sie ihr die Nahrung und entwickeln sich so zu erwachsenen Wespen. Zurück bleibt eine “ausgelaugt” Zecke, die sich nicht mehr in die nächste Phase weiter entwickeln kann. Es wird auch mit einigen Pilzen (Metahizium) und mit Fadenwürmer geforscht, die die Zecken dezimieren sollen.

Insektenspray und Kokosöl

Beim Reiten kann man die Pferde mit Insektenschutzmittel (zb. Abwehrkonzentrat von cdVet, Akafree von Pernaturam) einsprühen, bei denen die meisten auch gut gegen die Zecken helfen. Achtet aber hier auf die Inhaltsstoffe, nicht alle Produkte, die es zum Kaufen gibt, sind unbedenklich! Ich habe die letzten Wochen einen selbst gemachten Spray mit Zedernholz Aromaöl und Lavendel*  Aromalöl gemischt mit Wasser probiert.

Ein wichtiger Hinweis: Aromaöle musst du bitte immer zuerst an einer kleinen Stelle auf Verträglichkeit prüfen und du darfst sie niemals unverdünnt auftragen. Nicht jedes Pferd verträgt Aromaöle! Am besten sprichst du dich mit einem ausgebildeten Tieraromatologen ab.

Zusätzlich habe ich Blume an den Stellen im Kehlbereich mit Kokosöl* eingeschmiert und dadurch hatte sie eindeutig weniger Zecken! Auch das Tiroler Steinöl wirkt durchaus sehr gut, der Vorteil dabei ist, das man es nach dem Ausritt wieder problemlos abwaschen kann.

Zeckenrollen

Eine Neuheit sind sogenannte Zeckenrollen (www.zeckenrollen.de), die Mäuse anlocken sollen, die dann in diesen Rollen geeignetes Mistmaterial finden. In diesem Nestbaumaterial befindet sich der Wirkstoff Ixogon, der die Zecken an den Mäusen tötet. Man tötet quasi die Zecken direkt am Wirt in allen drei Entwicklungstadien. Der in Ixogon Zeckenrollen verwendete Wirkstoff heißt Permethrin, die synthetische Form des in der Natur vorkommenden Pestizids Pyrethrum, ein Extrakt aus den Blütenköpfen der Chrysantheme.

Es ist ein Nervengift, das dazu führt, dass sich die Na+ -Kanäle der Nervenzellen nicht mehr schließen und die Na+ -Ionen ungehindert in das Zellinnere strömen können. Dabei kommt es zu kommt zu unkontrollierbaren Nervenimpulsen, die in Krämpfen enden und dann schlussendlich zu einer Lähmung führen. Die Zecken sind innerhalb weniger Minuten bewegungsunfähig. Die US-Umweltbehörde EPA hat allerdings Permethrin als möglicherweise krebserregend eingestuft. Für Fische und Bienen ist es außerdem stark toxisch, deswegen ist der Einsatz fraglich. Bei Kontakt mit der Haut kann es beim Menschen zu Juckreiz, Haarausfall und Allergien führen. Permethrin wird durch Sonnenlicht zersetzt, auf der Oberfläche einer Pflanze beträgt die Halbwertszeit etwa 10 Tage, in der Erde 30 Tage.

Weidepflege

Um eine Weide möglichst frei von Zecken zu haben, kannst du die Weide absammeln und so die Population eindämmen. Am besten nimmst du dazu ein flauschiges Flanell-Tuch, das ca. 80 x80 cm groß ist und befestigt es an einem Stab. Dieses Tuch sprühst du dann mit Buttersäure (auch Butansäure, erhältlich in der Apotheke) ein und gehst damit über die Weiden. Die Buttersäure lockt die Zecken an, sie haken sich am Tuch ein und bleiben hängen. Danach kannst du die Zecken samt dem Tuch in Wasser untertauchen und sie ertränken. Büsche sollten auf den Weiden möglichst vermieden werden, da sie für die Zecken einen guten Lebensraum bieten. Auch Laub von Bäumen solltest du am besten immer sorgfältig wegräumen, damit die Zecken keine Nistmöglichkeiten finden.

Quellen: Borreliose natürlich heilen, Wolf-Dieter Storl S. 41ff,  Zecken- Was man über FSME und Borreliose wissen muss, Dr. Jochen Süss,  Biologie von Parasiten, Lucis, Loos-Frank S. 433ff,  http://de.wikipedia.org/wiki/Zecken, http://vetline.de/253505/150/3230/69895, http://www.zecken.de/zeckenschutz-fuer-tiere/krankheiten

Foto: https://pixabay.com/en/tick-macro-closeup-insect-danger-1271763/, https://pixabay.com/en/tick-wood-tick-blood-sucker-hand-482613/, https://pixabay.com/en/tick-insect-tbe-leaf-lyme-disease-453813/

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  • Nagelpilz Behandlung 27. Juni 2016 at 12:08

    Vielen Dank für diesen Blog! Interessant zu lesen und es hat mir sehr gut geholfen. Danke für den Tipp!

  • Evi 25. November 2017 at 12:29

    Sehr schöne Anleitung und sehr nützliche Zusammenfassung ! Am besten kann man Zecken mit einer sehr feinen Splitterpinzette entfernen, da diese sehr fein sind und man die Zecke perfekt greifen und erfassen kann. Natürlich sollte man die Zecke so schnell wie möglich entfernen – keine Zeit verlieren ! LG, Evi von “ http://www.zeckeentfernen.de

    • Klaudia 25. November 2017 at 18:26

      Liebe Evi,

      danke für den Tipp! Das werde ich beim nächsten Mal auch gleich testen! lg Klaudia