Fütterung Gesundheit

Heu bedampfen

Heubedampfer

Für Allergiker oder chronisch hustende Pferde reicht es oft nicht aus, das Heu nur nass zu machen. Komplett wässern ist in vielen Ställen im Winter bei Minusgraden fast unmöglich, noch dazu wenn es oft kein fließend Wasser gibt. Eine gute Alternative: Heu bedampfen.

Meiner Erfahrung nach kommt es beim Heu bedampfen sehr auf das „Ausgangsheu“ und die Schwere der Erkrankung des Pferdes an: nicht jedes Pferd braucht komplett über 100 Grad erhitztes Heu, wenn das Heu an sich schon sehr gut ist und nicht staubt. 

Erfahrungswerte: Heu bedampfen mit einem „Selfmade-Gerät“

Meine Empfehlung: austesten, was eurem Pferd gut tut. Die meisten kommen mit einem Eigenbau zurecht, außer das Heu ist komplett schimmelig und sollte sowieso nicht verfüttert werden. Manchmal reicht es aus, das Heu 15 Minuten zu bedampfen und das Pferd ist hustenfrei. Manchmal braucht man ein Profigerät, um alle Sporen und Pilze abtöten zu können.

Die Erfindung der Heubedampfers haben wir übrigens Werner Balsiger zu verdanken. Er hatte 1994 bereits die Idee zum ersten Heubedampfer entwickelt, dem sogenannten Weba Heuaufbereiter. Um anderen Pferdebesitzern zu helfen, stellte er auch die Anleitung zum Selberbauen online kostenlos zur Verfügung. An dieser Stelle ein großes Danke an Herrn Balsiger, der es uns ermöglichte mit seiner Idee das Heu zu bedampfen, bereits vielen atemwegserkrankten Pferden weiter helfen konnte!

Ich bedampfe mittlerweile nun seit 4 Jahren mit einer Regentonne und einem Tapetenablösegerät. Diese Art und Weise reicht komplett für mein Pferd und ihre Bedürfnisse aus. Meiner Meinung nach muss man daraus keine komplizierte Wissenschaft machen. Einfacher ist es, auszuprobieren, wie es für das eigene Pferde funktionieren kann.

Anleitungen zum Bau eines Heubedampfers

Ich habe meinen Bedampfer mit der Regentonnenlösung gebaut. Dazu habe ich ein Tapeteablösegerät, den Wagner Dampftapetenablöser W 14* und eine 120 l Tonne verwendet. In meine Tonne passt ein Heunetz mit bis zu 8 Kilo.

Heu bedampfen

Materialauswahl für Tonne und Behälter

Es ist extrem wichtig, aus welchem Material die Tonnen und Behälter sind. Hierzu eine Info aus einer Töltknoten Ausgabe: Ratsam ist deshalb, Behälter aus PVC generell zu meiden, aber auch die eigentlich durchweg unbedenklichen PE-Behälter nicht langjährig zu nutzen, sondern nach etwa einem Jahr zu entsorgen. Besonders zerkratzte Behälter sollte man nicht mehr verwenden, weil die beschädigte Oberfläche u. U. dann mehr Weichmacher „entlässt“. Polyethylen ist wieder einschmelzbar, d. h., er kann recycelt werden.

Meine Tonne ist fahrbar, damit sie leichter auszuleeren und zu reinigen ist. Auf Facebook habe ich übrigens gelesen, dass jemand einen Milchtank zum Bedampfen benutzt. Dieser soll extrem gut isoliert sein und schnell die notwendige Hitze erzeugen. Viele nehmen auch alte Tiefkühltruhen oder bauen Kisten, die sie extra noch mit einer Isolationsschicht ummanteln. Jeder sollte hier nach seinen Möglichkeiten agieren!

Anschließen des Bedampfers

Um den Schlauch mit der Tonne zu verbinden, habe ich ein Loch mit einer handelsüblichen Bohrmaschine in die Tonne gebohrt. Auf der Abbildung oben könnt ihr sehen, wie dann die Gesamtkonstruktion fertig aussieht.

Das Heunetz sollte übrigens nicht komplett am Boden aufliegen, deswegen braucht man eine Einlage wie zum Beispiel einen Fahrradkorb oder einen Gläserkorb. 

Heumenge und Bedampfungszeiten

Sind die Heunetze fertig gestopft und abgewogen, geht es ab damit in die Tonne. Meine Netze wiegen übrigens durchschnittlich immer zwischen 6 und 8 Kilo und die Bedampfzeit der Heunetze richtet sich dann nach der Außentemperatur und der Heuqualität. Meistens sind es 30 Minuten pro Heunetz. Nach 10 Minuten drehe ich das Heunetz in der Tonne einmal um, damit es von beiden Seiten schneller bedampft wird. Der Vorteil der Heunetze ist die Vorbereitung: ich kann am Wochenende die Heunetze für einige Tage im Voraus stopfen und spare mir dann nach der Arbeit Zeit. Im Winter lege ich über die Tonne eine Pferde-Winterdecke, damit ich die notwendige Termperatur innerhalb der Tonne erreiche.

Der Bedampfer hat meiner Meinung nach eine sehr lange Aufheizphase. Um Zeit zu sparen, koche ich das Wasser in einem Wasserkocher vor und fülle bereits kochendes Wasser ein. Damit der Bedampfer nicht leer laufen kann, verwende ich eine digitale Zeitschaltuhr * bei der ich einen Countdown mit 30 Minuten einstelle.

Den Bedampfer lasse ich niemals unbeaufsichtigt laufen, sondern bleibe immer in der Nähe. 

Hinweise zu Fütterung des bedampften Heus

Das bedampfte Heu sollte unbedingt innerhalb von 24 Stunden verfüttert werden. Wenn ihr regelmäßig Heu wässer oder bedampft, solltet ihr außerdem ein gutes Mineralfutter dazu füttern. 

Hinweis: Dieser Beitrag ist wie immer ein persönlicher Erfahrungsbericht. Bitte beachtet, dass Versicherungen nicht für Schäden bei Zweckentfremdung von Geräten aufkommen. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss sich ein Profigerät wie den Haygain oder den Yellow Steamer zulegen.

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